Deborah S. Decker in ExploreTurkey:  
Im Gegensatz zu anderen Reisen in die Türkei, hört die Reise des letzten Sommers nicht auf, wie eine Serie von Schnappschüssen immer wieder vor meinem geistigen Auge zu erscheinen. Vielleicht liegt es daran, dass ich dieses Mal ein altes Steinhaus in Assos / Behramkale mietete und in den Rhythmus des täglichen Dorflebens verfiel. Jeder Tag brachte einzigartige Erfahrungen, die zu 'Schnappschüssen' in meinem Gedächtnis wurden. Eine Konstante war die unveränderliche trockene Mittagshitze, der unerschütterliche Gang der Sonne über Felsen, Olivenhainen, Schaf- und Ziegenherden, Weizenfelder und Dörfer der Landschaft Troas im nordwestlichen Anatolien. Woran ich den Leser teilhaben lassen kann, sind einfach

Erinnerungen an die Türkei im Yaz 1997 (Sommer)

       Die 'verkrüppelte' Bettlerin vor der Nuruosmaniye Cami am Eingang zum Großen Basar. Als ich etwa um 7.30 Uhr morgens vorbeiging, eilte diese Frau behende zu 'ihrem' Stück des Bürgersteigs, um ihr Tagewerk zu beginnen. Als ich um 9 Uhr wider vorbeikam, hockte sie auf ihren Knien und zeigte den Passanten ihre unechten 'Stümpfe', die sie als Amputierte auswiesen. Recht erfinderisch, dachte ich.
        Auf einer Parkbank nahe den Überresten des Konstantin-Palastes sitzend aß ich frisch gebackenes Börek (mit Schichten weißen Käses gefülltes lockeres Gebäck), das ich während eines frühmorgendlichen Fotostreifzugs gekauft hatte. Die einzigen anderen Menschen auf der Straße waren die Straßenkehrer und Auslieferer des frischen Ekmek (Brot) und des frischen Sebze (Gemüse) für die vielen Lokantas (kleine Familienrestaurants) rund um den Sultanahmet-Platz.
        Das standhafte tosende Zirpen der Zikaden im Zeytinlik (Olivenhain) nahe Edremit. Die Zeytinyag (Olivenöl)-Läden am Straßenrand mit ihren 'Duschen' für die verstaubten Autos und ihren Cesmeler (Springbrunnen mit Quellwasser), um unsere Wasserflaschen zu füllen. Meile um Meile mit verstreuten Steinen bedeckter Olivenbaumhänge. Meile um Meile sanft welliger Straßen mit kleinen verstaubten Autos, vor überbordender Fracht kopflastigen Lastwagen, und den immer verlässlichen glänzenden Bussen, die mit halsbrecherischer Geschwindigkeit durch nicht überschaubare Kurven und über Hügelkuppel rasen, mit blendenden Lampen anzeigend, das SIE die Vorfahrt haben.
        Die atemberaubenden Aussichten auf das lapislazulifarbene und türkise EGE DENIZI (Ägäisches Meer)von den Klippen von Assos und wieder von Güzelyali südlich von Canakkale, mit Blick auf die Landspitze von Gelibolu. Wissend, daß ich denselben Blick genoss wie der Apostel Paulus vor 2000 Jahren auf dem Weg zur Insel Lesbos. Mit Trauer über die Vergeudung junger Menschenleben im 1. Weltkrieg bei der Schlacht von Gallipoli / Gelibolu, mit zugleich erneuter Bewunderung für Atatürk wegen seiner Rede gerichtet an die Mütter der toten 'Mehmets' und Johnnies'..."in dieser Erde sind sie jetzt unser aller Söhne...".
        Die Schwalben, Steinkleiber, Eulen, roten Eichhörnchen (sincap), Falken, Stare, Meisen, grüne Finken, gelbe Bachstelzen, Spechte und Fledermäuse, die im Bahce (Garten) herumhuschten oder den direkt den in ihm steil aufragenden Felsen hinaufflogen oder hinunterstießen. Die Kuslar (Vögel), die in und um den weißen Maulbeerbaum schwärmten. Die Rosen, Töpfe mit Geranien, Nelken, Kräutern, Trompetenbäume, uralte Üzüm (Weinrebe) im Garten. Purpurrote Schmetterlingsbüsche, die wild in den steilen, felsigen Dorfgassen wachsen.
        Der fortwährende trockene Wind, der Erleichterung in der Hitze, aber auch mit ständigem Nachdruck Staub ins Haus brachte. Das großartige Gefühl, das der Brunnen am Straßenrand vermittelte, wenn sein eisiges Wasser über ausgetrocknete Arme, Beine und Nacken strömt. Das fast unmittelbare Trocknen der nassen Kleidung, wenn sie zum Trocknen hinaus in Wind und Sonne gehängt wird.
        Das milde Licht des Sonnenuntergangs und die Aussicht auf das Ägäische Meer vom Cayhane (Teehaus) des Dorfes nahe der Kale (Gipfel / Festung) von Behramkale / Assos. Die alten Männer, die unter der Weinlaube dort oder am Cayhane in Babakale an der westlichsten Spitze der Troas schwatzen und ihren Tee trinken. Das Hupen des Dolmus (Sammeltaxi), als es sich dem Kamm des Hügels näherte. Das Lächeln des Balikci (des jungen Fischers Ali), das sich auf seinem Gesicht ausbreitete, als er auf die hintere Stoßstange des Dolmus sprang und sich dort anklammernd zum Hafen (Iskele)hinuntersauste.
        Der Cuma Pazari (Freitagsmarkt) in Ayvacik mit seinen vielen reichhaltigen Ständen: frisches Obst, Gemüse und handgefertigte Haushaltswaren. Vier unterschiedliche Sorten Kiraz (Kirschen - die besten sind die schwarzen vom Uludag), verschiedene Arten Seftali (Pfirsich), Erik (blaue Pflaumen), Armut (Birnen), Fasuliye (Bohnen), Biber (Pfeffer), Domates (Tomaten), Sogan (Zwiebeln), Kavun (Honigmelonen), Patates (Kartoffeln) und Kayisi (Aprikosen). Sechs verschiedene Sorten Beyaz Peynir (Weißer Käse), frisch zubereitete Tereyagi (Butter) und dicken, frischen (taze) Yogurt. Handgeschnitzte hölzerne Löffel, Mehlsiebe und in vielen verschiedenen Größen unterschiedlich klingende Kupferglocken für Ziegen und Schafe. Und: Die Herausforderung, mit einer zahnlückigen Nomadenfrau den Preis eines aus ihrem Rucksack hervorlugenden Teppichs zu verhandeln, herunterzuhandeln. Sie hatte die Wolle gesponnen, mit Naturfarben gefärbt und auf ihrem transportablen Webstuhl gewebt und schließlich jeweils 3 durch wollene Stricke verbunden.'
        Die alte, schwarzgekleidete, herumziehende Frau, die am letzten Morgen vorbeikam. Ich reichte ihr die restlichen Meyve (Früchte), Sebze, und etwas Pirinc (Reis) und Seker (Zucker). Dies würde mir hoffentlich (Insallah) Glück bringen auf meiner 'guten' Reise (iyi yolculuklar) und Gottes Segen zurück nach Izmir und weiter nach Istanbul und den USA.

Und so war es!

Deborah S. Decker                                                  Übersetzung: Webmaster Assos, 1999