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EIN AUSFLUG NACH KLEINASIEN und ENTDECKUNGEN IN LYCIEN von ÜBERSETZT LEIPZIG |
Etwa sechs (engl.) Meilen von Biehrám, dem alten Assus oder Assos, verliessen wir die Seeküste und stiegen durch eine wilde felsige Landschaft mit reicher ungenutzter Vegetation hinan. Der Weg welcher zu der alten Stadt führt ist höchst grossartig. Wir kamen bei einem kleinen See vorbei und traten dann in ein Gehölz von Strauchwerk, wo eine Menge Steine und Deckel von Sarcophagen herumlagen. Als wir näher zur Stadt kamen ging zuerst ihre Rundmauer von schöner griechischer Arbeit und dann eine andere welche die Acropolis einschloss quer durch unsern Weg. Diese Mauern sind noch ziemlich erhalten und stehen an manchen Stellen dreissig Fuß hoch; die Steine sind ohne Ausnahme schön behauen und ohne Kitt auf einander gelegt. Die Felsen welche das Material zu diesen Bauwerken lieferten, eben so wie die Grundmauern des grössten Theiles der Stadt, erheben sich sechzig bis achtzig Fuß auf jähen Abhängen, von denen jeder eine Krone von Tempeln hatte. |
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Das Dorf welches jetzt die Stelle einnimmt, besteht nur aus einigen Hütten von
denen mir eine zum Gebrauch überlassen ist. |
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| Folgende sind an den vier umhergestreuten Theilen des Frieses eines Tempels, alle von gleicher Tiefe und gleichem Muster. | |
Die nächsten drei haben zu einem andern Tempel gehört.![]() |
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Ich copirte auch ein Fragment von einer
Inschrift auf einem Steine der über einem Thorweg angebracht gewesen
war.
Das einzige Gebäude welches einem andern
als altgriechischem Baustyle anzugehören schien, war aus dem Material
der dasselbe umgebenden Ruinen gebaut, aber ohne viel Geschmack; es
hatte ein gewölbtes Dach und rundgewölbte Fenster. An der Wand war
eine griechische Inschrift die ich copirte; sie mag aus der Zeit der
ersten Christen herrühren. Diese Stadt wurde vom Apostel St. Paulus
besucht. Ich kam bei einer andern schönen und vollkommen erhaltenen Mauer vorbei, mit Torwegen aus der frühesten, und auch der späteren griechischen Zeit (s. Fig. 4 u. 5)¬ Ich ging dann auf die Via sacra, oder die
Gräberstrasse, die mehrere Meilen lang ist. Einige Grabmäler stehen
noch unversehrt in ihrer ursprünglichen schönen Form, die meisten aber
sind geöffnet und die Deckel liegen neben den Wänden die sie bedeckten
und von wo sie Neugier oder Geiz weggenommen haben. Hin und wieder sind
in der Gräberreihe runde Sitze angebracht, wie zu Pompeji; die Ruinen
sind aber hier bedeutend grösser als die der römischen Stadt, und
viele Überreste noch eben so gut erhalten. Manche sind reich verziert
und haben Inschriften; andere sind eben so gross wie Tempel und zwanzig
bis dreissig Fuss ins Gevierte. Die gewöhnliche Länge der Sarcophage*
ist zehn bis zwölf Fuss. |
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*Unser Wort Sarcophag
ist römisch und nicht sehr alt. Der griechische Name für alle Gräber
ist Soros. Plinius sagt dass in der Gegend von Assos ein merkwürdiger
Stein gefunden werde, der die Eigenschaft besitze die darin begrabenen
Körper zu zerstören; daher das Wort Sarcophagus, d. i.
"Fleischverzehrer". |
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